Ausbildungsplätze für behinderte Menschen

Wir unterstützen im Rahmen des Projektes "Unterstützte Beschäftigung" die Ausbildung behinderter Menschen.

 

— Veröffentlichungen in der Freien Presse vom 10.05.2012 —

Auf dem Gabelstapler ist sein liebster Platz

Ausbildungsprojekt im Erzgebirge hat sechs jungen Behinderten einen festen Job verschafft


Stützengrün. Als Holger Pranz Ende April zum ersten Mal in seinem Leben Lohn bekam, fühlte er sich großartig. Sein erstes selbst verdientes Geld! Was er damit machen will, hatte er sich zuvor schon überlegt: "Ich spare auf ein Auto."

Der 20-Jährige arbeitet in der Erzgebirgischen Bürstenfabrik Stützengrün, wo er abwechselnd in der Produktion und im Hochregallager tätig ist. Die Halle summt vor Geschäftigkeit, Stapler und Transportkarren flitzen durch die Gänge, hupen und bringen Paletten nach einem für Außenstehende undurchsichtigen System von A nach B. In den zurückliegenden knapp zwei Jahren hat Holger gelernt, den Durchblick zu behalten, was nicht selbstverständlich ist. Der junge Mann leidet unter einer geistigen Behinderung. Im normalen Leben hätte er keine Chance, solch einen Job zu bekommen. Mithilfe einer Rehabilitationsmaßnahme namens "Unterstützte Beschäftigung" hat es aber doch geklappt.

Der Begriff steht für eine Ausbildung, die speziell für Menschen wie Holger Pranz entwickelt wurde. Förderschüler auf dem Sprung in den Beruf, die für eine Behindertenwerkstatt zu fit sind, es auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne Hilfe aber nicht schaffen. Die Reha-Maßnahme soll ihnen diese Hilfe geben. Sie wurde von der Arbeitsagentur Annaberg-Buchholz 2009 ins Leben gerufen. Die Anerkannte Schulgesellschaft Sachsen und das Soziale Förderwerk Chemnitz kümmerten sich gemeinsam um die Teilnehmer. "Wir haben geschaut: Was könnten die Betroffenen arbeiten? Dann haben wir Firmen gesucht, die bereit waren, sich darauf einzulassen", erzählt Andrea Kampf vom Sozialen Förderwerk.

Michael Jäckel, Geschäftsführer der Erzgebirgischen Bürstenfabrik, gab Holger Pranz eine Chance. Schwergefallen ist ihm das nicht, wie er sagt. Zum einen kannte er Holger schon von der Ferienarbeit. Zum anderen hatte Jäckel gute Erfahrungen mit Wiedereingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose. "Es funktioniert nicht immer", sagt er. "Aber wir haben eine Reihe Mitarbeiter, die sich auf diese Weise im Unternehmen etabliert haben. Warum es nicht auch mit einer Maßnahme für Behinderte versuchen?"

Holger Pranz rechtfertigte das Vertrauen. Er fing in der Produktion an, unterstützt von einem Betreuer, der ihn anleitete. Immer wieder, bis alles saß. Und Holger wollte mehr lernen. Er durfte im Lager arbeiten. In seiner Freizeit kam er, um auf dem Gabelstapler zu üben und das elektronische Lagersystem zu kapieren. Er machte sich so gut, dass er die auf zwei Jahre ausgelegte Ausbildung vier Monate früher abschloss.

Von den erzgebirgsweit elf Teilnehmern der "Unterstützten Beschäftigung" haben es sechs geschafft. Einer ist noch in der Ausbildung, vier scheiterten. Die es gepackt haben, arbeiten als Helfer in der Produktion, im Pflegeheim oder im Hausmeisterservice. Weil sich die Firmen um ihre behinderten Mitarbeiter mehr kümmern müssen als um andere, erhalten sie einen Zuschuss. Holger Pranz geht seine Arbeit mit Elan an: "Am liebsten sitze ich natürlich auf dem Stapler."



> Pressebeitrag

Zurück